Rund jeder zehnte Chef hat laut der Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) einen problematischen Alkoholkonsum. Weitere 5 Prozent sind abhängig. «Wir wissen, dass die Alkoholsucht bei Spitzenleuten genaus verbreitet ist wie in übrigen Bevölkerungsschichten», sagt Kaspar Kellenberger von der Privatklinik Wyss. Nur: Im Unterschied zur Gesamtbevölkerung kaschierten Kaderleute das Problem öfter. «Viele machen einen Entzug und deklarieren dies als ‹Lebenskrise› oder ‹Burnout›», sagt Walter Steiner von der Klinik Südhang. Kellenberger dazu: «Besonders bei Kaderleuten schauen Kollegen und Untergebene gerne weg, weil sie es nicht wagen, das Problem anzusprechen.» Oft würden Spitzenleute an Geschäftsessen Wein oder Bier trinken – und dies schon am Mittag. Wenn dann noch ausserordentlicher Stress hinzukomme, was bei verantwortungsvollen Jobs häufig der Fall sei, entwickle sich bei manchen aus dem Gewohnheitstrinken ein Alkoholproblem, so Kellenberger. «Je nach Abhängigkeitsgrad entgeht so der Wirtschaft ein enormes Leistungsvolumen», sagt Steiner.
Alkohol ist laut Experten die am weitesten verbreitete Droge unter Kaderleuten. An zweiter Stelle kommen Beruhigungsmittel, noch vor leistungssteigernden Drogen wie Kokain. 20min Christa Gall |