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Bieler Tagblatt, 10.06.2008: Jetzt werden Sünder bestraft - 11.06.2008
Ernüchternd: Jugendliche können in Biel und im Seeland problemlos Alkohol kaufen. Dies haben Testkäufe des Blauen Kreuzes bewiesen
tul. 24 Mal standen im Mai jugendliche Testkäufer mit Alkoholika an den Kassen von Läden der Region. 10 Mal wurden keine Ausweise verlangt, die 15-Jährigen konnten problemlos Bier oder Spirituosen kaufen. Dieses Resultat der Testkäufe des Blauen Kreuzes ist zwar viel besser als diejenigen der ersten Testkäufe 1998. Es liege jedoch immer noch viel zu hoch, fanden gestern Seeländer Grossrätinnen und Grossräte.

Sünder angezeigt


Bisher seien die fehlbaren Geschäfte nur vom Blauen Kreuz angeschrieben und auf die Verstösse aufmerksam gemacht worden, sagte EVP-Grossrat Ruedi Löffel gestern gegenüber dem BT. Er ist beim Blauen Kreuz für die Testkäufe verantwortlich. Dieses Mal aber seien die Sünder den zuständigen Regierungsstatthaltern sowie der Polizei gemeldet worden. Die Statthalter sind für administrative Massnahmen wie Verkaufsverbote zuständig; die Polizei gibt die Fälle an die Gerichte weiter, welche Bussen verhängen können. «Man muss die Branche schützen vor den schwarzen Schafen, welche ihren Ruf schädigen», sagt Löffel.

Jugendliche Alkoholiker

Wie wichtig der Jugendschutz ist, zeigen Zahlen über Alkoholismus bei Jugendlichen. Bereits trinken rund 16 Prozent der Jugendlichen zwischen 11 und 16 Jahren regelmässig Alkohol. 2005 wurde in den Spitälern durchschnittlich bei 1,4 Jugendlichen pro Tag eine Alkoholsucht diagnostiziert. Dies ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Behandlungen in Hausarztpraxen oder ambulanten Notfallaufnahmen sind nicht berücksichtigt.

Bereits bei den 14-Jährigen sind Alkoholiker keine Einzelfälle mehr. Zwar betrifft die Diagnose öfter Jungen oder junge Männer. Doch holen die Mädchen und jungen Frauen auf: Zwischen 2003 und 2005 stieg deren Zahl um 20 Prozent, wie die Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) schreibt.

Verkauf einschränken

Im Grossen Rat steht noch in dieser Session eine Motion der Grünen Corinne Schärer an, die von Christine Schnegg, EVP, Lyss, mitunterzeichnet worden ist. Sie will das nächtliche Gewaltpotenzial verringern, indem sie den Gemeinden die Möglichkeit gibt, den Alkoholverkauf ab 21 Uhr zu verbieten. Seit April diesen Jahres gibt es in den Bahnhof-Shops ab 22 Uhr keinen Alkohol mehr. Der Regierungsrat will das Anliegen als Postulat entgegennehmen.

Morgen lesen Sie im «Bieler Tagblatt», wie einfach Jugendliche an der Bieler Fanmeile zu Alkohol kommen können.
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